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Nachbar Polen - was ist los?

Nachbar Polen - was ist los? MDR Heute im Osten, Osteuropa, PIS, Kaczynski,

  • Seit dem Regierungswechsel kommt Polen nicht zur Ruhe. Gesetzesänderungen im Eiltempo, Demonstrationen dagegen. Wie tief ist das Land gespalten? Begleiten Sie unsere Ostblogger auf ihrer Reise durch Polen.

    Von wo unsere Ostblogger schon berichtet haben, finden Sie hier: ostblogger

    Volker Queck (MDR), 2/12/2016 4:15:10 PM Uhr
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    Volker Queck (MDR), 2/12/2016 4:15:04 PM Uhr
  • 13,2,2016
    Abfahrt des Teams in Leipzig. In drei Stunden wollen wir im polnischen Karpacz sein. Das Städtchen liegt direkt unterhalb der Schneekoppe (1602 m), ist ein wichtiges Wintersportzentrum und hat mehr Gästebetten (8500) als Einwohner (5000).

    Cezary.Bazydlo, 2/13/2016 9:00:01 AM Uhr
  • 13,2,2016
    Wir sind in Polen! Noch eine gute Stunde bis Karpacz.

    Cezary.Bazydlo, 2/13/2016 12:21:16 PM Uhr
  • 13.2.2016
    Auf dem Weg nach Karpacz finde ich in dem kleinen Dorf Chmieleń dieses kleine Denkmal mit dem polnischen Wappen und der Losung "Gott - Ehre - Vaterland ". Patriotismus wird in Polen seit jeher groß geschrieben, nicht erst unter der neuen PiS-Regierung. Die will allerdings den Nationalstolz gezielt fördern will und sogar darüber nachgedacht hat, aufwendig produzierte Spielfilme mit Motiven aus der polnischen Geschichte in Auftrag zu geben.

    Cezary.Bazydlo, 2/13/2016 1:53:28 PM Uhr
  • 13.2.2016
    Die Bewohner von Chmieleń sind aber auch ohne derartige filmische Anreize patriotisch genug und zünden an dem Denkmal, wie man sieht, immer wieder Lichter an. Ryszard Stefaniszyn ist seit einem Jahr Bürgermeister des 500-Seelen-Ortes. Es gebe nicht genügend Arbeitsplätze in der Region, erzählt er. Vor allem die Jugend beklage sich über schlechte Zukunftsaussichten. Bei der letzten Wahl hätten die Menschen hier mehrheitlich die PiS-Partei gewählt. Viele verbänden mit der neuen Regierung große Hoffnungen. Er selbst sei aber skeptisch. Schließlich habe die PiS schon einmal regiert, ohne große Wunder zu vollbringen. Und auch unter der alten Regierung habe sich in den letzten Jahren einiges getan - im Dorf sei zum Beispiel ein neues Gemeindehaus entstanden.

    Cezary.Bazydlo, 2/13/2016 1:54:51 PM Uhr
  • Heute im Osten, 2/13/2016 2:04:41 PM Uhr
  • 13.2.2016
    Angekommen. Erste Impressionen aus Karpacz - wenig Schnee, viele Touristen.

    Cezary.Bazydlo, 2/13/2016 2:37:19 PM Uhr
  • Karpacz liegt am Fuße des Riesengebirges, dessen berühmter Höhepunkt, die Schneekoppe, überwiegend auf tschechischem Gebiet liegt. Schauen Sie sich einfach mal von hier oben die tolle Landschaft ringsum an. In Richtung des großen Sees liegt Karpacz.

    Heute im Osten, 2/13/2016 3:04:00 PM Uhr
  • 14.2.2016
    Polen hat sich seit der Wende unglaublich gemausert - das sagen mir viele hier, und das sehe ich auch selbst bei meinen Reisen hierher. Das Land hat aus seiner Freiheit etwas gemacht - politisch wie wirtschaftlich. Karpacz ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Die Stadt hat in den letzten Jahren sehr viel getan, um Investitionen anzulocken, die den Ort attraktiver machen. Neue Hotels sind entstanden, eine Fußgängerzone und der hochmoderne Sessellift Bialy Jar mit seinen futuristisch anmutenden orangen Gondeln. Sechs Personen können es sich darin auf beheizbaren Sitzen bequem machen. Auch wenn Karpacz noch lange nicht das polnische Davos ist - viele von den Gästen, mit denen ich hier spreche, sind begeistert.

    Cezary.Bazydlo, 2/14/2016 6:34:34 AM Uhr
  • 14.2.2016
    Was will ich in Polen? - Ein Pole aus Deutschland versucht, seine Landsleute in der Heimat zu verstehen.

    Cezary.Bazydlo, 2/14/2016 3:49:31 PM Uhr
  • 14.2.2016
    Allerdings gibt es auch einige weniger ansehnliche Ecken in Karpacz. Bei diesem Gebäude ist dem Investor offenbar das Geld ausgegangen, er konnte von dem Aufschwung in dem aufstrebenden Skiort nicht profitieren. Und was ich hier im Kleinen sehe, kann man auf das „große Ganze“ übertragen. Denn Polen bleibt auch 26 Jahre nach der Wende ein Land der Kontraste und verschiedenen Geschwindigkeiten. Man spricht oft von einem "Polen A" und "Polen B". Das "A" steht für die modernen, schnelllebigen Großstädte, das "B" für die langsamere Provinz, insbesondere den strukturschwachen Osten des Landes. Und so wie einige Landstriche wurde auch ein kleiner, aber bedeutender Teil der polnischen Gesellschaft „abgehängt“ - etwa die Jugend, die unter prekären Arbeitsverhältnissen und Niedriglöhnen leidet. Diese Gruppen wurden von der Politik jahrelang sich selbst überlassen - und haben bei der letzten Wahl zum Sieg der Kaczynski-Partei beigetragen.

    Cezary.Bazydlo, 2/15/2016 7:41:57 AM Uhr
  • 14.2.2016
    Unweit der Ruine entdecke ich das andere Extrem: Hotel Golebiewski, eine riesige Bettenburg mit vier Sternen, mitten in die Gebirgslandschaft hineingesetzt. Von innen erinnert das Haus mit 906 Zimmern ein wenig an ein riesiges Kreuzfahrtschiff - „an Bord“ gibt es verschiedene Restaurants, Cafés und Boutiquen, einen Aquapark, eine Disco und eine Bowlingbahn. Stilistisch handelt es sich um eine Mischung aus Kristallglas und Gold, und die trifft offenbar den Geschmack der polnischen Mittelschicht, die hier ihren Urlaub verbringt - das Hotel ist momentan voll belegt. Seine Eröffnung war mit einem Skandal verbunden. Der Investor hatte eigenmächtig zwei Stockwerke hinzufügen lassen und damit gegen den örtlichen Bebauungsplan und die Auflagen der Denkmalschützer verstoßen. Die Behörden ordneten einen Abriss der überzähligen Geschosse an. Doch die Juristen des Investors fanden eine Gesetzeslücke, dank der es am Ende bei nur kleinen Anpassungen blieb.

    Cezary.Bazydlo, 2/15/2016 2:23:49 PM Uhr
  • 14.2.2016
    Im Hotel Golebiewski treffe ich dieses sympathische Ehepaar aus Sachsen: Ines und Matthias Wünsche, beide selbständige Versicherungsmakler. Sie wohnen in Zittau, im deutsch-tschechisch-polnischen Dreiländereck. Für sie ist es etwas völlig Normales, mal schnell ins Nachbarland zu fahren. Das Skigebiet im polnischen Riesengebirge liegt fast direkt vor ihrer Haustür. Es sei das nächste Gebirge, in dem man Ski fahren kann, sagt Matthias Wünsche. Wir dürfen die beiden mit der Kamera auf der Piste begleiten.

    Cezary.Bazydlo, 2/15/2016 3:11:29 PM Uhr
  • 14.2.2016
    Das Paar fährt regelmäßig nach Polen, ob zum Einkaufen oder für einen Kurzurlaub wie jetzt in Karpacz. Und inzwischen sind es schon lange nicht nur die günstigen Preise, die sie ins Nachbarland locken. "Die Polen haben die Marktwirtschaft sehr gut umgesetzt", sagt Ines Wünsche. Es gebe inzwischen viele schöne Gaststätten, die Städte seien restauriert worden. "Man kann sich hier schon sehr wohl fühlen", meint die Versicherungsmaklerin. Und was die Politik betrifft - die neue Regierung sei vom Volk gewählt worden, Deutschland dürfe sich da nicht einmischen. Und auch wenn jetzt einiges anders laufe als bisher - man müsse immer im Gespräch bleiben.

    Cezary.Bazydlo, 2/15/2016 4:30:41 PM Uhr
  • 15.2.2016
    Wir fahren von Karpacz nach Opole. Kurz vor den Toren der Stadt dieses hübsche Bild. Solche Wegkreuze sind in Polen sehr verbreitet. Hier handelt es sich um ein besonders stattliches Exemplar. Der katholische Glaube prägt immer noch das Gesicht dieses Landes. Allerdings wird die polnische Gesellschaft in weltanschaulichen Fragen immer liberaler. Die katholische Amtskirche versucht diesen Wandel aufzuhalten, übt Druck auf die Regierung und den Gesetzgeber aus, um ihre Moralvorstellungen durchzusetzen. Unter der neuen Regierung könnte sie damit zumindest teilweise Erfolg haben.

    Cezary.Bazydlo, 2/16/2016 8:41:26 PM Uhr
  • 15.2.2016
    Kunstblumen für den Gekreuzigten.

    Cezary.Bazydlo, 2/16/2016 8:43:04 PM Uhr
  • Heute im Osten, 2/16/2016 8:50:00 PM Uhr
  • Cezary.Bazydlo, 2/16/2016 8:53:28 PM Uhr
  • 15.2.2016
    Ich möchte wissen, was meine Landsleute über die neue polnische Regierung denken, und mache in Opole eine Straßenumfrage. Diese Dame ist Rechtsanwältin und macht sich große Sorgen. Sie sagt: "Die Gesetze werden im Eiltempo vorbereitet, es gibt keine Diskussion im Parlament und auch die Bevölkerung wird nicht angehört, die Regierungsmehrheit beschließt alles autoritär, wie in einer Art Amok." Wie so viele, mit denen ich hier über Politik spreche, möchte sie ihren Namen übrigens nicht preisgeben. Auch um die Pressefreiheit macht sie sich Gedanken: "Ich fürchte, uns werden wichtige Informationen schon bald vorenthalten. Es kommt noch soweit, dass wir wieder Radio Free Europe werden hören müssen!" Deshalb sei sie auch vor wenigen Wochen hier in Opole zu einer Demonstration für die Freiheit der Medien gegangen. "Wir haben so lange um die Demokratie gekämpft, und jetzt werden all die Standards, die in den letzten 26 Jahren erarbeitet wurden, außer Kraft gesetzt", beklagt sich die Juristin. Doch sie ist trotzdem guter Dinge: "Die Polen sind ein kämpferisches Volk, sie werden es nicht zulassen!"

    Cezary.Bazydlo, 2/17/2016 12:31:49 AM Uhr
  • 15.2.2016
    Dieser Herr, 88 Jahre alt, ist genau entgegengesetzter Meinung - endlich laufe in Polen alles so, wie es laufen müsse. "So eine gute Regierung haben wir noch nie gehabt, die Ministerpräsidentin ist eine kluge Frau, Bergmannstochter hier aus Schlesien!", sagt er strahlend. Zum ersten Mal in der Geschichte gebe es eine so deutliche Mehrheit im Parlament, dass die Regierungspartei regieren kann, ohne auf Koalitionspartner Rücksicht nehmen zu müssen. Die Mehrheit habe so gewählt, also dürfe die Regierungspartei das machen, was in ihren Augen das Beste für Polen sei. "Das gefällt mir sehr, nur leider gefällt es ganz und gar nicht Denjenigen, die die Wahl verloren haben und jetzt allen einreden, dass es in Polen keine Demokratie mehr gibt. Diese Menschen sind daran schuld, dass Polen jetzt in schlechtem Licht dasteht!" Letzteres schmerze ihn ganz besonders - zum Beispiel wenn er an die inzwischen berühmte Kaczynski-Karikatur vom Kölner Karneval denkt. "Das war doch unnötig! Wer braucht denn so etwas?", empört er sich. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen seien schließlich schon so gut gewesen!

    Cezary.Bazydlo, 2/17/2016 12:32:28 AM Uhr
  • 15.2.2016
    Diese Dame ist mit der Politik der neuen Regierung ganz und gar nicht einverstanden. "Ich hatte schon vor der Wahl meine Befürchtungen, und die haben sich nach der Wahl als richtig erwiesen", sagt sie. Außerdem bereitet ihr noch eine andere Sache Bauchschmerzen: Die Polen seien durch die Politik in zwei feindliche Lager geteilt - Befürworter und Gegner der Regierung. Die politischen Gegensätze seien noch nie so stark gewesen wie jetzt. Selbst in den Familien gebe es diesen Riss. "Auch in meiner Familie ist es so", erzählt sie. An der Festtagstafel würden politische Themen inzwischen tunlichst gemieden, sonst drohe Streit.

    Cezary.Bazydlo, 2/17/2016 12:48:34 AM Uhr
  • 15.2.2016
    Die Losung "Gott - Ehre -Vaterland" (polnisch "Bóg - Honor - Ojczyzna") begegnet mir in Opole wieder.

    Cezary.Bazydlo, 2/17/2016 9:01:54 AM Uhr
  • 15.2.2016
    Ein Putztrupp macht sich in der kleinen Grünanlage zu schaffen. Bei der Frage, wie sie zur neuen Regierung stehen, winken die Herren ab. Sie dürften nicht mit Medienvertretern sprechen.

    Cezary.Bazydlo, 2/17/2016 9:16:06 AM Uhr
  • 15.2.2016
    Putzkolonne am Nationaldenkmal in Opole.

    Cezary.Bazydlo, 2/17/2016 9:19:09 AM Uhr
  • 15.2.2016
    Ein weiteres Nationaldenkmal in Opole: "Den Kämpfern um ein polnisches Schlesien".

    Cezary.Bazydlo, 2/17/2016 9:26:42 AM Uhr
  • Opole: Von hier aus können Sie selber einen Streifzug durch die alte Innenstadt machen! Einfach den Pfeil in die Richtung setzen, die sie interessiert.

    Heute im Osten, 2/17/2016 10:04:00 AM Uhr
  • 15.2.2016
    Um mir einen Überblick über die Stadt zu verschaffen und schöne Bilder für die Polen-Doku zu bekommen, besteige ich mit meinem Team den Piastenturm. Auch das ist übrigens ein Nationalsymbol, waren die Piasten doch die erste polnische Königsdynastie. Der Turm ist ein letztes Überbleibsel des Piastenschlosses, das 1931 abgerissen wurde, und er ist (nicht nur auf meinem Bild, sondern auch in der Realität) schief - genauso wie der viel berühmtere schiefe Turm von Piza. Das markante Gebäude daneben ist übrigens kein architektonischer Auswurf des Sozialismus, wie es auf den ersten Blick scheint, sondern echte Moderne der 1930er Jahre und damit ebenfalls ein wertvolles Baudenkmal.

    Cezary.Bazydlo, 2/17/2016 4:18:03 PM Uhr
  • 15.2.2016
    Blick vom Piastenturm. Noch weht die EU-Fahne über den Dächern von Opole. Das Gebäude neben dem Piastenturm beherbergt die Woiwodschaftsverwaltung. Eigentlich, so habe ich gehört, wurden die EU-Fahnen unter der neuen Regierung an allen Woiwodschaftsämtern entfernt. Das Wort "Woiwode" ist übrigens ein alter slawischer Herrschertitel. In Polen bezeichnet es heute den obersten Vertreter der Zentralregierung in einem Verwaltungsbezirk. Die Verwaltungsbezirke, 16 an der Zahl, heißen entsprechend Woiwodschaften.

    Cezary.Bazydlo, 2/17/2016 4:35:14 PM Uhr
  • 15.2.2016
    Besuch bei der deutschen Minderheit. Opole hieß bis 1945 Oppeln und gehörte zu Deutschland. Nach dem Krieg war deutsch sprechen hier streng verboten. Heute ist die Stadt und ihre Umgebung ein Zentrum der deutschen Minderheit in Polen - rund 100.000 polnische Staatsbürger mit deutschen Wurzeln leben hier, das sind rund zwei Drittel aller in Polen lebenden Deutschen. Seit der Wende darf die deutsche Minderheit ihre Kultur und Sprache wieder ohne Einschränkungen pflegen. Deutschunterricht für deutschstämmige Schüler wird vom polnischen Staat bezuschusst. Allerdings könnte sich das bald ändern. Politiker der inzwischen regierenden PiS-Partei, allen voran ihr Chef Jaroslaw Kaczynski, machten in der Vergangenheit kein Hehl daraus, dass sie die deutsche Minderheit für eine Art "Fünfte Kolonne" halten.

    Cezary.Bazydlo, 2/17/2016 10:09:17 PM Uhr
  • 15.2.2016
    Bernard Gaida ist Vorsitzender des Dachverbands der deutschen Minderheit in Polen. In dem Interview äußert er sich zur Lage der Minderheiten nach der letzten Wahl. Die Stimmung mache ihm Angst, sagt er.

    Cezary.Bazydlo, 2/17/2016 11:07:47 PM Uhr
  • 15.2.2016
    Nationale Minderheiten sind bei polnischen Parlamentswahlen von der Fünf-Prozent-Sperrklausel befreit. Deshalb hat die deutsche Minderheit einen eigenen Vertreter im Sejm: Ryszard Galla. Es ist schon seine vierte Wahlperiode. Es sei unverkennbar, dass nun ein anderer Stil herrscht, erzählt er - unberechenbare Sitzungstermine, Abstimmungen mitten in der Nacht, Gesetzesbeschlüsse im Eiltempo. "Ich habe Verständnis dafür, dass die neue Regierung gewisse Dinge neu regeln will, aber warum wird das nicht ordentlich gemacht? Es herrscht eine angespannte Atmosphäre. Ich hoffe, dass sich die Lage bald wieder beruhigt." Bezogen auf das deutsch-polnische Verhältnis, meint Galla: Es war klar, dass die deutsch-polnischen Beziehungen nach einem Wahlsieg der PiS-Partei eine andere Qualität haben werden. Die Frage ist nur, bricht eine neue Eiszeit an oder wird es 'nur' mit einer kühlen Neutralität enden. Nach einem Rezept für die deutsch-polnischen Beziehungen gefragt, antwortet er: "Selbst wenn es schwierige Themen gibt, darf es nicht sein, dass Polen beleidigt in der Ecke sitzt. Man muss sich gemeinsam an einen Tisch setzen, miteinander reden, seine Argumente darstellen und gemeinsam eine Lösung finden."

    Cezary.Bazydlo, 2/17/2016 11:09:37 PM Uhr
  • 15.2.2016
    Norbert Rasch sitzt noch nicht im gesamtpolnischen Parlament in Warschau, er ist aber Abgeordneter im Regionalparlament der Woiwodschaft Opole. Dort muss die PiS-Partei noch die Oppositionsbank drücken, doch durch den Wahlsieg auf gesamtpolnischer Ebene ermuntert, tritt sie neuerdings deutlich selbstbewusster auf, sagt Rasch. Nach seinem eignen politischen Engagement gefragt, antwortet Rasch: "Das Regionalparlament hat in Polen nicht besonders viel Einfluss. Aber die Arbeit ist wichtig, wir wollen für unsere Region etwas erkämpfen. Wenn wir uns um diese Region nicht bemühen, wer wird es dann machen?" Und über seine Identität sagt Rasch: "Ich bin polnischer Bürger, habe einen polnischen Pass, aber ich bin auch ein Deutscher, der hier lebt und auch einen deutschen Pass besitzt. Klar, bin ich auch Europäer, aber ich denke, die meisten Menschen sind regionalverwurzelt und so betrachte ich mich: ein deutscher Schlesier, der hier wohnt. Die Region hat eine sehr große Bedeutung für mich. Hier haben meine Vorfahren gelebt und ich möchte, dass auch meine Kinder hier weiter leben."

    Cezary.Bazydlo, 2/17/2016 11:34:16 PM Uhr
  • 15.2.2016
    Am Abend besuche ich noch eine Musikprobe. Norbert Rasch singt gern. Gemeinsam mit einer Freundin, Aneta, tritt er auf Volksfesten in der Region auf. Für mich singen sie die inoffizielle Hymne der deutschstämmigen Schlesier - das Lied "Sehnsucht nach Schlesien". Ein sehr schönes Lied!

    Cezary.Bazydlo, 2/18/2016 12:01:19 AM Uhr
  • 15.2.2016
    Und weil es so schön war: Aneta und Norbert zeigen uns noch ein selbst gedrehtes Musikvideo.

    Cezary.Bazydlo, 2/18/2016 12:05:06 AM Uhr
  • 16.2.2016
    Bei der Abreise von Opole nach Danzig fotografiere ich dieses zweisprachige Ortsschild. Solche Schilder dürfen seit 2005 laut Gesetz in Ortschaften stehen, in denen eine MInderheit, hier die deutsche, mindestens 20 Prozent der Bevölkerung stellt. Außerdem dürfen Bürger dort ihre Anfragen und Eingaben an die Gemeindeverwaltung auf Deutsch vortragen und einreichen.

    Cezary.Bazydlo, 2/18/2016 12:06:11 AM Uhr
  • Heute im Osten, 2/18/2016 12:16:00 AM Uhr
  • 16.2.2016
    Wir fahren heute von Opole nach Danzig - vom äußersten Süden in den äußersten Norden des Landes. Rund sechs Stunden reine Fahrzeit. Einen Großteil der Strecke dürfen wir auf modernen Fernstraßen und Autobahnen zurücklegen, die in den letzten Jahren mit erheblichen Zuschüssen der EU gebaut wurden. 2005 war das polnische Autobahnnetz lediglich 848 km lang, Ende vergangenen Jahres bereits 3275 km. Das Straßennetz ist zwar insgesamt immer noch ein Flickwerk, aber nach und nach werden die Lücken geschlossen. All das, für polnische Autofahrer ein wahrer Quantensprung, wäre ohne die Milliarden aus Brüssel nicht möglich. Ich frage mich, warum so viele Polen trotzdem so EU-kritisch sind...

    Cezary.Bazydlo, 2/18/2016 12:22:33 AM Uhr
  • Cezary.Bazydlo, 2/18/2016 12:26:02 AM Uhr
  • 17.2.2016
    Wir sind angekommen! So sieht die Silhouette von Danzig aus. Mit etwa 460.000 Einwohnern ist es die sechstgrößte Stadt Polens - und sein wichtigster Seehafen. Zusammen mit den benachbarten Städten Sopot und Gdynia bildet es eine Agglomeration, die so genannte Dreistadt (polnisch "Trójmiasto"), in der rund 750.000 Menschen leben.

    Cezary.Bazydlo, 2/18/2016 12:27:03 AM Uhr
  • 17.2.2016
    In Danzig treffe ich Przemysław Majewski. Er ist 24 Jahre alt und studiert Politikwissenschaften. Er stammt aus dem kleinen Dorf Zajączkowo in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Sein Elternhaus zählte zur dortigen Mittelschicht - die Mutter Lehrerin, der Vater Techniker. Die Familie konnte ein relativ sorgloses Leben führen - das Geld reichte für alles Notwendige und auch für manchen kleinen Luxus. Allerdings hatte er das Gefühl, dass die Region jungen, ehrgeizigen Menschen keine angemessenen Zukunftsperspektiven bietet. Deshalb ist er wie seine ältere Schwester nach Danzig gegangen, um zu studieren. Die Politikwissenschaften waren am Anfang eine Verlegenheitslösung, weil ihm nichts Besseres einfiel. Doch inzwischen ist es eine Leidenschaft geworden - er leitet sogar den Ortsverband einer kleinen Partei.

    Cezary.Bazydlo, 2/18/2016 5:34:54 PM Uhr
  • 17.2.2016
    Przemysławs Partei heißt "Kongress der Neuen Rechten", ihr Profil: konservativ-liberal. Bislang konnte sie nur einen einzigen größeren Erfolg verbuchen - sie errang bei der letzten Europawahl vier Mandate. Bei allen anderen Wahlen blieb die Zustimmung bislang weit unterhalb der Sperrklausel. Die Partei lehnt die EU in ihrer jetzigen Form strikt ab. Die Union sollte nichts weiter als eine Art Freihandelszone sein. Die Nationalstaaten dürften nicht von Brüssel bevormundet werden. Momentan werde die EU von Deutschland dominiert und diene vor allem deutschen Interessen, höre ich bei einer Parteiversammlung, die ich mit Przemysław besuchen darf. Die Brüsseler Beamten würden sich mit lauter unsinnigen Dingen beschäftigen, die sie eigentlich nichts angingen - etwa der zulässigen Bananenkrümmung oder der richtigen Beschaffenheit einer Kloschüssel.

    Cezary.Bazydlo, 2/18/2016 6:05:42 PM Uhr
  • 17.2.2016
    Przemysław wohnt unweit der ehemaligen Lenin-Werft. Hier hatte der Kampf um Polens Freiheit begonnen - mit großen Streiks im Sommer 1980. Gemeinsam besuchen wir diesen geschichtsträchtigen Ort, an dem Polens Weg zur Demokratie begann. Heute erinnert ein Monument an jene Zeit - drei schlanke Kreuze, die in den Himmel ragen.

    Cezary.Bazydlo, 2/18/2016 7:45:59 PM Uhr
  • 17.2.2016
    Hier, wo die Generation unserer Eltern um Freiheit und Demokratie gekämpft hat, frage ich Przemysław, ob die Demokratie in Polen heute bedroht sei. "Ganz im Gegenteil", antwortet er. Die Aufmärsche der Gegner und der Befürworter der neuen Regierung, zu denen vor wenigen Wochen Tausende Menschen gekommen waren, zeigen seiner Ansicht nach, dass es um die Demokratie in Polen ganz gut bestellt ist. Denn auch heute, Jahrzehnte nach den Streiks von 1980, seien die Polen bereit, den Mund aufzumachen.

    Cezary.Bazydlo, 2/18/2016 7:51:19 PM Uhr
  • 17.2.2016

    Cezary.Bazydlo, 2/18/2016 7:58:06 PM Uhr
  • 17.2.2016

    Cezary.Bazydlo, 2/18/2016 8:09:28 PM Uhr
  • Hier können Sie sich selber einmal auf dem Platz vor der legendären ehemaligen Lenin-Werft umsehen!

    Heute im Osten, 2/18/2016 8:12:00 PM Uhr
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